Zum Inhalt springen
Beyond Prompt AI Studio
Change Management bei der KI-Einführung

Zwei Ebenen, zwei Modelle: Kotter und ADKAR

Wer nach „dem“ Change-Management-Modell für KI-Einführungen sucht, findet vor allem zwei Namen: Kotter und ADKAR. Beide werden oft als Konkurrenten dargestellt – dabei beantworten sie grundverschiedene Fragen, und die eigentlich interessante Frage ist, wie sie sich ergänzen.

Vier Modell-Realitäten – zum Merken

Probier es aus: Die fünf ADKAR-Stufen

Stufe 1

Awareness

Bewusstsein für die Notwendigkeit der Veränderung schaffen.

Kotter: die organisatorische Perspektive

John Kotters 8-Stufen-Modell ist top-down und organisatorisch gedacht: Ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugen, eine Führungskoalition bilden, eine Vision entwickeln, diese Vision kommunizieren, Hindernisse beseitigen, kurzfristige Erfolge sichtbar machen, den Schwung nutzen, um weitere Veränderungen anzustoßen, und die neue Praxis in der Unternehmenskultur verankern. Kotter beantwortet die Frage: Wie bewegt sich eine ganze Organisation von A nach B?

ADKAR: die individuelle Perspektive

Das ADKAR-Modell von Prosci setzt genau dort an, wo Kotter aufhört: bei der einzelnen Person. ADKAR steht für fünf aufeinander aufbauende Stufen, die jede Person einzeln durchlaufen muss, damit eine Veränderung tatsächlich wirkt: Awareness (Bewusstsein für die Notwendigkeit der Veränderung), Desire (der persönliche Wunsch, daran teilzunehmen), Knowledge (das Wissen, wie die Veränderung funktioniert), Ability (die tatsächliche Fähigkeit, sie umzusetzen) und Reinforcement (Verstärkung, damit die Veränderung dauerhaft bleibt statt zurückzufallen).

Warum eine Stufe zu überspringen scheitert

Der praktische Wert von ADKAR liegt in seiner Reihenfolge: Wer Wissen (Knowledge) vermittelt, bevor der persönliche Wunsch (Desire) überhaupt vorhanden ist, verschwendet das Training – die Information verpufft, weil die Motivation fehlt, sie anzuwenden. Genau dieser Fehler passiert bei KI-Einführungen besonders häufig: Ein Unternehmen schult ein Tool ausführlich, ohne vorher zu klären, warum Mitarbeitende dieses Tool überhaupt nutzen wollen sollten.

Praxis-Teil: beide Ebenen zusammen denken

Für eine KI-Einführung heißt das konkret: Kotter liefert den organisatorischen Rahmen (Dringlichkeit erzeugen, Führungskoalition, Vision), ADKAR liefert die Prüfung auf individueller Ebene, ob dieser Rahmen bei jeder einzelnen Person tatsächlich ankommt. Ein Team-Check nach jeder Kotter-Stufe, der fragt „Sind wir bei Awareness? Bei Desire?“, deckt Lücken auf, bevor sie zu stillem Scheitern führen – dem Muster aus dem ersten Modul dieses Kurses.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kotters 8-Stufen-Modell ist organisatorisch und top-down gedacht: Dringlichkeit, Führungskoalition, Vision, Verankerung in der Kultur.
  • ADKAR ist individuell gedacht: Awareness, Desire, Knowledge, Ability, Reinforcement – fünf Stufen, die jede Person einzeln durchläuft.
  • Beide Modelle schließen sich nicht aus, sondern beantworten unterschiedliche Fragen: Organisation versus einzelne Person.
  • Eine ADKAR-Stufe zu überspringen (z. B. Wissen vor Wunsch) lässt Trainings wirkungslos verpuffen – ein häufiger Fehler bei KI-Einführungen.
  • In der Praxis lohnt sich ein Team-Check nach jeder Kotter-Stufe, der prüft, ob die individuelle ADKAR-Ebene tatsächlich mitgekommen ist.

Warum die meisten KI-Projekte an Menschen scheitern, nicht an der Technik

Kurz-Check: Hast du es verstanden?

1 / 3

Welche Frage beantwortet das ADKAR-Modell, im Unterschied zu Kotter?

Willst du Kotter und ADKAR gezielt für deine nächste KI-Einführung kombinieren?