Die Zahl, die jedes KI-Projekt kennen sollte
Aktuelle Studien zeichnen ein bemerkenswert konsistentes Bild: Je nach Erhebung scheitern zwischen 62 und 80 Prozent der KI-Projekte in Unternehmen – nicht weil die eingesetzte Technik nicht funktioniert, sondern weil die Belegschaft sie nicht annimmt, umgeht oder aktiv ablehnt. Eine Bitkom-Studie beziffert den Anteil der am Widerstand der Belegschaft gescheiterten Projekte auf 62 Prozent, andere Erhebungen kommen auf noch höhere Werte, wenn man fehlende strategische Vorbereitung und Kulturveränderung mit einbezieht.
Warum das so oft übersehen wird
KI-Projekte werden meist als technisches Vorhaben budgetiert und geplant: Welches Modell, welcher Anbieter, welche Integration. Die Frage, ob und wie die Menschen, die damit täglich arbeiten sollen, diese Veränderung mittragen, taucht in vielen Projektplänen gar nicht als eigener Posten auf – sie wird stillschweigend vorausgesetzt. Genau diese Lücke ist der Grund, warum ein technisch einwandfreies System trotzdem scheitert.
Scheitern zeigt sich selten als offene Ablehnung
In der Praxis sieht das Scheitern meist unspektakulär aus: ein Tool, das eingeführt, aber nach wenigen Wochen kaum noch genutzt wird; Mitarbeitende, die weiterhin ihre alten Excel-Listen pflegen, „nur zur Sicherheit“; eine Nutzung, die auf dem Papier existiert, aber im Alltag umgangen wird. Diese leise Form des Scheiterns ist deutlich häufiger als der offene Aufstand – und deutlich schwerer zu erkennen, bevor das Budget bereits verbrannt ist.
Praxis-Teil: Change Management als eigener Projektposten
Die praktische Konsequenz aus dieser Zahl ist einfach zu benennen, aber selten umgesetzt: Change Management gehört als eigener, budgetierter Bestandteil in jedes KI-Projekt – nicht als optionale Zugabe, sondern gleichrangig mit der technischen Umsetzung. Die folgenden Module dieses Kurses zeigen, warum ausgerechnet die mittlere Führungsebene dabei eine unterschätzte Rolle spielt, welche Ängste der Belegschaft tatsächlich berechtigt sind, und mit welchen konkreten Methoden sich Akzeptanz systematisch aufbauen lässt.