Die Zahlen, die man kennen sollte
Sieben von zehn Angestellten in Deutschland gehen davon aus, dass der Einsatz von KI zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen könnte. Mehr als ein Drittel sorgt sich konkret um den eigenen Job. Ein Viertel der Befragten gibt an, aufgrund von KI bereits den eigenen Arbeitsplatz verloren zu haben – bei unter 25-Jährigen, oft in Einstiegspositionen, liegt dieser Anteil sogar bei 43 Prozent. Diese Sorge ist damit nicht diffus oder übertrieben, sondern durch reale Erfahrungen eines erheblichen Teils der Belegschaft gedeckt.
Wo die Sorge über die Datenlage hinausgeht
Gleichzeitig gilt: Nicht jede Position ist gleich betroffen, und ein pauschales „KI ersetzt alle“ entspricht nicht der beobachteten Realität. Die Verluste konzentrieren sich überproportional auf bestimmte Aufgabentypen und Einstiegspositionen, nicht gleichmäßig auf die gesamte Belegschaft. Diese Differenzierung ehrlich zu benennen, statt Ängste pauschal zu bestätigen oder pauschal wegzuwischen, ist die eigentliche Kommunikationsaufgabe.
Die zweite, seltener genannte Sorge: mehr Fehleranfälligkeit
Neben der Jobsorge gibt es eine zweite, weniger diskutierte Belastung: Mehr als die Hälfte der Personen, die KI-Systeme nutzen, empfindet die eigene Arbeit inzwischen als fehleranfälliger oder unsicherer als zuvor – etwa, weil Verantwortung für KI-gestützte Entscheidungen bei der Person verbleibt, die sie am Ende trifft, während die KI selbst keine Konsequenzen trägt. Diese Sorge wird in vielen Change-Kommunikationen komplett übergangen, obwohl sie mindestens so verbreitet ist wie die Jobsorge.
Praxis-Teil: Beteiligung statt Beschwichtigung
Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation empfiehlt einen partizipativen Ansatz: Mitarbeitende sollen bei der Auswahl und Gestaltung von KI-Tools einbezogen werden, statt nur über bereits getroffene Entscheidungen informiert zu werden. So entsteht Vertrauen von innen heraus, nicht durch Zusicherungen von außen. Konkret bedeutet das: vor der Einführung fragen, nicht nur danach informieren – und die berechtigten Sorgen (Jobrisiko in bestimmten Bereichen, Fehleranfälligkeit) offen benennen, statt sie mit allgemeinen Beruhigungsfloskeln zu übergehen.