Was Microsoft angekündigt hat
Work IQ soll Copilot und Agenten in Geschäftsdaten aus Dynamics 365 und Power Platform erden und diese Daten gemeinsam mit Microsoft-365-Produktivitätsdaten auswerten. Die Geschäftsanwendungen bleiben dabei die führenden Systeme; Work IQ modelliert deren Daten und Prozesse zu einem Kontext, den Agenten wiederverwenden können. Hinzu kommen „Business Skills“, mit denen Teams ein Verfahren einmal beschreiben und für verbundene Agenten bereitstellen, etwa eine mehrstufige Verlängerungsprüfung.
Die Preview startete am 30. September 2026 und wird im Oktober ausgerollt. Dynamics 365 Finance and Operations ist laut Microsoft für Ende Oktober vorgesehen. Eine Aussage zur allgemeinen Verfügbarkeit enthält der Beitrag nicht. Ein Fachbericht nennt November 2026 als Ziel, das ist eine Sekundärangabe.
Die Zeile, auf die es ankommt: Kontext aus der bestehenden Konfiguration
Laut Microsoft kombiniert Work IQ „einen fokussierten Datenbereich und semantische Indexierung mit Wissen aus euren bestehenden Geschäftsanwendungen“ und stützt sich auf die Geschäftslogik in Views, Formularen und Beziehungen sowie ein Business-Glossar. Der Kontext wird dabei automatisch aus der vorhandenen Konfiguration abgeleitet. Admins und Entwickler können das verfeinern: Signale an- oder abschalten, veraltete Views oder Beziehungen ausschließen, Vokabular ergänzen, das das System nicht selbst ableiten kann.
Daraus folgt etwas Naheliegendes, das in der Ankündigung nicht im Vordergrund steht: Ein System, das aus der Konfiguration lernt, lernt auch aus dem, was dort seit Jahren liegt. Ein Fachbericht formuliert es so, dass Work IQ auch aus veralteten Elementen lerne. Das ist die Analyse des Berichts, nicht Microsofts Aussage. Plausibel ist sie trotzdem, denn der Mechanismus ist von Microsoft selbst beschrieben. Wer in zehn Jahren Dynamics-Nutzung Views, Felder und Beziehungen angesammelt hat, die niemand mehr verwendet, gibt dem Agenten diese als Kontext mit, sofern sie nicht ausgeschlossen werden.
Das Werkzeug und die Lücke dazu
Microsoft bietet das Ausschließen veralteter Views und Beziehungen an. Was der Beitrag nicht beschreibt, ist ein Weg, herauszufinden, welche Elemente veraltet sind. Diese Beurteilung bleibt bei den Menschen, die das System kennen. In einem gewachsenen CRM mit mehreren Administratoren und Generationen von Anpassungen ist genau das die aufwendige Arbeit: nachvollziehen, welche Views noch gebraucht werden, welche Felder noch gepflegt sind, welche Beziehungen noch stimmen.
Das ist unsere Einordnung. Sie stützt sich auf Microsofts eigene Beschreibung des Mechanismus und darauf, dass der Beitrag kein Erkennungswerkzeug nennt; ein solches kann es außerhalb des Beitrags geben, das konnten wir nicht ausschließen. Die Konsequenz für die Praxis ist davon unabhängig: Vor dem Einschalten lohnt sich eine Bestandsaufnahme der Konfiguration.
Was nur aus Sekundärquellen belegt ist
Zwei Punkte mit praktischer Wirkung stehen nicht in Microsofts Beitrag. Erstens die Aktivierung: Ein Fachportal schreibt unter Berufung auf den Message-Center-Eintrag MC1483492 vom 30. September, die Business-Apps-Funktionen seien in neuen Produktivumgebungen mit passenden Lizenzen standardmäßig aktiv. Ältere Umgebungen, Nicht-Produktivtypen und Behördencloud-Varianten seien ausgenommen, in EU/EEA-Regionen gebe es ein Opt-in. Das Portal verlinkt allerdings nur einen Drittspiegel des Eintrags, nicht eine Microsoft-Seite. Zweitens die Abrechnung: Mehrere Berichte nennen eine nutzungsbasierte Abrechnung über Copilot Credits. Microsofts Beitrag verlinkt eine Seite zur nutzungsbasierten Abrechnung, nennt aber selbst keine Preise.
Gleichzeitig steht in einer Community-Zusammenfassung von Microsofts Position, die Preview sei nicht für den Produktivbetrieb gedacht. Beides zusammen, Produktivumgebung und Preview, passt nicht ohne Weiteres zusammen. Wir behaupten deshalb nicht, dass bei euch etwas aktiv ist, sondern empfehlen, den Eintrag im eigenen Message Center zu prüfen.
Was daraus praktisch folgt
- Im eigenen Message Center nach dem Eintrag zu Work IQ suchen und in der Power-Platform-Admin-Oberfläche prüfen, ob die Funktion für eure Umgebungen aktiv ist, bevor jemand sie bewusst einschaltet.
- Vor dem Einsatz eine Bestandsaufnahme der Dynamics-Konfiguration machen: ungenutzte Views, tote Felder, überholte Beziehungen, uneinheitliche Begriffe. Das ist Handarbeit, aber sie bestimmt, was der Agent als Kontext bekommt.
- Ein Business-Glossar pflegen: Wenn Begriffe im Haus je nach Abteilung Unterschiedliches bedeuten, kann das System das nicht ableiten, wie Microsoft selbst schreibt.
- Schreibende Agenten-Aktionen zunächst mit verpflichtender Freigabe betreiben und die Rechte der Nutzer prüfen, in deren Namen der Agent arbeitet.
- Kosten vor dem breiten Einsatz klären: Abrechnung über Copilot Credits ist nur sekundär belegt, Preise liegen uns nicht vor.
- Als Preview behandeln und nicht auf Produktivprozesse stützen, bis Microsoft allgemeine Verfügbarkeit und Preise bestätigt.
Der Kern dieser Analyse: Work IQ verschiebt die Arbeit, die ein KI-Projekt im CRM macht, von der Modellwahl zur Konfigurationspflege. Das ist ein bekanntes Muster, das wir bei der NBER-Studie zur organisatorischen Unterstützung gesehen haben – hier bekommt es einen konkreten technischen Mechanismus. Ob der Mechanismus im Alltag so wirkt, wie er beschrieben ist, wird sich erst mit Erfahrungsberichten aus der Preview zeigen.