Zum Inhalt springen
Beyond Prompt AI Studio

Governance & Guardrails

Microsofts Work IQ lernt aus eurer Dynamics-Konfiguration – auch aus den Altlasten

13. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit · Beyond Prompt AI Studio

MicrosoftDynamics 365KI-AgentenDatenqualität

Am 25. September 2026 hat Microsoft Work IQ für Dynamics 365 und Power Platform angekündigt, die Public Preview läuft seit dem 30. September, der Rollout zieht sich durch den Oktober. Work IQ soll Copilot und Agenten mit Geschäftsdaten aus Dynamics 365 und Power Platform verbinden und diese mit den Produktivitätsdaten aus Microsoft 365 zusammen auswerten. Interessant ist weniger die Ankündigung als eine Zeile aus Microsofts eigenem Beitrag: Das Modell leite seinen Kontext aus der bestehenden Konfiguration ab. Diese Analyse ordnet ein, was das für Unternehmen mit gewachsenen CRM-Systemen bedeutet, und trennt sauber, was Microsoft selbst sagt und was bisher nur aus Sekundärquellen stammt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Work IQ ist seit dem 30. September 2026 als Public Preview verfügbar, der Rollout läuft durch den Oktober. Abgedeckt sind laut Microsoft Dynamics 365 Sales und Customer Service, Power Apps und Fremd-Fachanwendungen; Finance and Operations ist für Ende Oktober angekündigt.
  • Laut Microsoft kombiniert Work IQ einen fokussierten Datenbereich und semantische Indexierung mit Wissen aus den bestehenden Geschäftsanwendungen. Es greife auf die Geschäftslogik in Views, Formularen und Beziehungen sowie ein Business-Glossar zurück und leite Kontext „automatisch aus der bestehenden Konfiguration“ ab.
  • Admins und Entwickler können laut Microsoft Signale an- oder abschalten, veraltete Views oder Beziehungen ausschließen und Fachvokabular ergänzen. Ein Werkzeug, das veraltete Elemente von selbst erkennt, nennt der Beitrag nicht.
  • Schreibende Aktionen laufen laut Microsoft so: Der Agent legt die vorgeschlagenen Änderungen vor, durchläuft eine nötige Freigabe und aktualisiert die Datensätze im Rahmen der Nutzerrechte.
  • Nicht in Microsofts Beitrag, sondern nur in Sekundärquellen: Ein Fachportal beruft sich auf den Message-Center-Eintrag MC1483492 und schreibt, Work IQ sei in neuen Produktivumgebungen standardmäßig aktiv, mit Ausnahme von EU/EEA (dort Opt-in), und werde über Copilot Credits abgerechnet. Preise nennt keine geprüfte Quelle.
  • Unsere Einordnung, als solche gekennzeichnet: Die Antwortqualität der Agenten hängt damit an der Pflege der CRM-Konfiguration, nicht an der Modellwahl. Das ist bei einem gewachsenen System eine Aufräumaufgabe, die vor dem Einschalten ansteht.

Was Microsoft angekündigt hat

Work IQ soll Copilot und Agenten in Geschäftsdaten aus Dynamics 365 und Power Platform erden und diese Daten gemeinsam mit Microsoft-365-Produktivitätsdaten auswerten. Die Geschäftsanwendungen bleiben dabei die führenden Systeme; Work IQ modelliert deren Daten und Prozesse zu einem Kontext, den Agenten wiederverwenden können. Hinzu kommen „Business Skills“, mit denen Teams ein Verfahren einmal beschreiben und für verbundene Agenten bereitstellen, etwa eine mehrstufige Verlängerungsprüfung.

Die Preview startete am 30. September 2026 und wird im Oktober ausgerollt. Dynamics 365 Finance and Operations ist laut Microsoft für Ende Oktober vorgesehen. Eine Aussage zur allgemeinen Verfügbarkeit enthält der Beitrag nicht. Ein Fachbericht nennt November 2026 als Ziel, das ist eine Sekundärangabe.

Die Zeile, auf die es ankommt: Kontext aus der bestehenden Konfiguration

Laut Microsoft kombiniert Work IQ „einen fokussierten Datenbereich und semantische Indexierung mit Wissen aus euren bestehenden Geschäftsanwendungen“ und stützt sich auf die Geschäftslogik in Views, Formularen und Beziehungen sowie ein Business-Glossar. Der Kontext wird dabei automatisch aus der vorhandenen Konfiguration abgeleitet. Admins und Entwickler können das verfeinern: Signale an- oder abschalten, veraltete Views oder Beziehungen ausschließen, Vokabular ergänzen, das das System nicht selbst ableiten kann.

Daraus folgt etwas Naheliegendes, das in der Ankündigung nicht im Vordergrund steht: Ein System, das aus der Konfiguration lernt, lernt auch aus dem, was dort seit Jahren liegt. Ein Fachbericht formuliert es so, dass Work IQ auch aus veralteten Elementen lerne. Das ist die Analyse des Berichts, nicht Microsofts Aussage. Plausibel ist sie trotzdem, denn der Mechanismus ist von Microsoft selbst beschrieben. Wer in zehn Jahren Dynamics-Nutzung Views, Felder und Beziehungen angesammelt hat, die niemand mehr verwendet, gibt dem Agenten diese als Kontext mit, sofern sie nicht ausgeschlossen werden.

Das Werkzeug und die Lücke dazu

Microsoft bietet das Ausschließen veralteter Views und Beziehungen an. Was der Beitrag nicht beschreibt, ist ein Weg, herauszufinden, welche Elemente veraltet sind. Diese Beurteilung bleibt bei den Menschen, die das System kennen. In einem gewachsenen CRM mit mehreren Administratoren und Generationen von Anpassungen ist genau das die aufwendige Arbeit: nachvollziehen, welche Views noch gebraucht werden, welche Felder noch gepflegt sind, welche Beziehungen noch stimmen.

Das ist unsere Einordnung. Sie stützt sich auf Microsofts eigene Beschreibung des Mechanismus und darauf, dass der Beitrag kein Erkennungswerkzeug nennt; ein solches kann es außerhalb des Beitrags geben, das konnten wir nicht ausschließen. Die Konsequenz für die Praxis ist davon unabhängig: Vor dem Einschalten lohnt sich eine Bestandsaufnahme der Konfiguration.

Was nur aus Sekundärquellen belegt ist

Zwei Punkte mit praktischer Wirkung stehen nicht in Microsofts Beitrag. Erstens die Aktivierung: Ein Fachportal schreibt unter Berufung auf den Message-Center-Eintrag MC1483492 vom 30. September, die Business-Apps-Funktionen seien in neuen Produktivumgebungen mit passenden Lizenzen standardmäßig aktiv. Ältere Umgebungen, Nicht-Produktivtypen und Behördencloud-Varianten seien ausgenommen, in EU/EEA-Regionen gebe es ein Opt-in. Das Portal verlinkt allerdings nur einen Drittspiegel des Eintrags, nicht eine Microsoft-Seite. Zweitens die Abrechnung: Mehrere Berichte nennen eine nutzungsbasierte Abrechnung über Copilot Credits. Microsofts Beitrag verlinkt eine Seite zur nutzungsbasierten Abrechnung, nennt aber selbst keine Preise.

Gleichzeitig steht in einer Community-Zusammenfassung von Microsofts Position, die Preview sei nicht für den Produktivbetrieb gedacht. Beides zusammen, Produktivumgebung und Preview, passt nicht ohne Weiteres zusammen. Wir behaupten deshalb nicht, dass bei euch etwas aktiv ist, sondern empfehlen, den Eintrag im eigenen Message Center zu prüfen.

Was daraus praktisch folgt

  • Im eigenen Message Center nach dem Eintrag zu Work IQ suchen und in der Power-Platform-Admin-Oberfläche prüfen, ob die Funktion für eure Umgebungen aktiv ist, bevor jemand sie bewusst einschaltet.
  • Vor dem Einsatz eine Bestandsaufnahme der Dynamics-Konfiguration machen: ungenutzte Views, tote Felder, überholte Beziehungen, uneinheitliche Begriffe. Das ist Handarbeit, aber sie bestimmt, was der Agent als Kontext bekommt.
  • Ein Business-Glossar pflegen: Wenn Begriffe im Haus je nach Abteilung Unterschiedliches bedeuten, kann das System das nicht ableiten, wie Microsoft selbst schreibt.
  • Schreibende Agenten-Aktionen zunächst mit verpflichtender Freigabe betreiben und die Rechte der Nutzer prüfen, in deren Namen der Agent arbeitet.
  • Kosten vor dem breiten Einsatz klären: Abrechnung über Copilot Credits ist nur sekundär belegt, Preise liegen uns nicht vor.
  • Als Preview behandeln und nicht auf Produktivprozesse stützen, bis Microsoft allgemeine Verfügbarkeit und Preise bestätigt.

Der Kern dieser Analyse: Work IQ verschiebt die Arbeit, die ein KI-Projekt im CRM macht, von der Modellwahl zur Konfigurationspflege. Das ist ein bekanntes Muster, das wir bei der NBER-Studie zur organisatorischen Unterstützung gesehen haben – hier bekommt es einen konkreten technischen Mechanismus. Ob der Mechanismus im Alltag so wirkt, wie er beschrieben ist, wird sich erst mit Erfahrungsberichten aus der Preview zeigen.

Häufige Fragen zu Work IQ für Dynamics 365

Ist Work IQ bei uns schon aktiv?

Das können wir von außen nicht sagen. Ein Fachportal berichtet unter Berufung auf einen Message-Center-Eintrag, die Funktion sei in neuen Produktivumgebungen standardmäßig aktiv, in EU/EEA dagegen opt-in. Microsofts Beitrag bestätigt das nicht. Prüft den Eintrag in eurem Message Center und die Einstellungen in der Power-Platform-Admin-Oberfläche.

Was bedeutet „lernt aus der Konfiguration“ konkret?

Laut Microsoft leitet Work IQ Kontext aus Views, Formularen, Beziehungen und einem Business-Glossar ab. Veraltete Elemente können Admins ausschließen. Wie gut das Ergebnis ist, hängt damit davon ab, wie sauber die Konfiguration gepflegt ist.

Wie hoch sind die Kosten?

Das ist nicht abschließend geklärt. Berichte nennen eine nutzungsbasierte Abrechnung über Copilot Credits, Microsofts Beitrag nennt keine Preise. Vor dem breiten Einsatz sollten Preise und Credit-Limits geklärt werden.

Können wir Work IQ im Produktivbetrieb nutzen?

Aktuell ist es eine Public Preview. Eine Community-Zusammenfassung von Microsofts Position sagt, die Preview sei nicht für den Produktivbetrieb gedacht. Eine Aussage zur allgemeinen Verfügbarkeit enthält Microsofts Beitrag nicht.

Wollt ihr eure Dynamics-Konfiguration vor dem Einsatz von KI-Agenten prüfen und bereinigen lassen?