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Beyond Prompt AI Studio

Produkt & Kosten

Der Copilot-Aufschlag auf Microsoft 365 – und der Classic-Tarif, den kaum jemand bekommt

19. August 2026 · 10 Min. Lesezeit · Beyond Prompt AI Studio

Microsoft 365CopilotKostenVendor-Risiko

Seit dem 1. Juli 2026 zahlen Microsoft-365-Geschäftskunden weltweit mehr: Business Basic stieg von 6 auf 7 Euro pro Nutzer und Monat (plus 16 Prozent), Business Standard von 12,50 auf 14 Euro, einzelne Spezialtarife ohne Microsoft Teams sogar um bis zu 43 Prozent. Offizielle Begründung: neu integrierte Copilot-KI-Funktionen und laufende Produktverbesserungen. Das betrifft praktisch jedes Unternehmen unserer Zielgruppe, das Microsoft 365 im Einsatz hat – also die überwiegende Mehrheit. Diese Analyse verbindet zwei Fakten, die in der bisherigen Berichterstattung selten zusammen genannt werden: wie wenige Kunden Copilot laut Microsofts eigenen Zahlen tatsächlich nutzen, und wie schwer der günstigere Tarif ohne KI-Aufschlag in der Praxis überhaupt zu bekommen ist – gerade für Kunden in Deutschland, wo bislang keine Wettbewerbsbehörde die Preisgestaltung untersucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 1. Juli 2026 sind Microsoft-365-Geschäftstarife um 12 bis 43 Prozent teurer geworden, offiziell begründet mit der Integration von Copilot-KI-Funktionen. Business Basic kostet jetzt 7 statt 6 Euro pro Nutzer und Monat, Business Standard 14 statt 12,50 Euro.
  • Nach rund drei Jahren Copilot zahlen laut Microsofts eigenen Angaben weniger als 4,5 Prozent der rund 500 Millionen Microsoft-365-Kunden aktiv für die kostenpflichtigen Copilot-Funktionen, nur etwa 1 Prozent nutzt sie wöchentlich.
  • Die britische Wettbewerbsbehörde CMA eröffnete am 29. Juli 2026 ein Verfahren wegen des Verdachts auf „Bait-and-Switch“: Kunden wurden bei Vertragsverlängerung offenbar automatisch in teurere, Copilot-gebündelte Tarife verschoben, ohne den günstigeren Tarif ohne KI klar sichtbar anzubieten.
  • Australiens Wettbewerbsbehörde ACCC verklagt Microsoft bereits vor Gericht (Vorwurf: rund 2,7 Millionen Kunden getäuscht), Italiens AGCM eröffnete am 26. Juni 2026 ein eigenes Verfahren, das zusätzlich Microsoft Designer einschließt. Für Deutschland oder die EU insgesamt existiert bislang keine vergleichbare Untersuchung.
  • Ein „Classic“-Tarif ohne Copilot-Aufschlag existiert bei Microsoft offiziell, ist aber laut mehreren unabhängigen Berichten in der Praxis – auch für deutsche Kunden – schwer zugänglich: Der Wechsel wird online oft nicht klar angeboten, sondern muss aktiv gesucht oder über den Support erfragt werden.
  • Ohne eigene Prüfung im Microsoft-Admin-Center bleibt für ein Unternehmen unklar, ob es automatisch in einen teureren Copilot-Tarif verschoben wurde und ob ein Wechsel zurück tatsächlich möglich ist – gerade weil deutsche Kunden nicht auf eine Untersuchung wie in Großbritannien oder Australien zurückgreifen können, die diese Praxis erzwingen würde.

Was sich seit dem 1. Juli 2026 geändert hat

Microsoft hat die neue Preisstruktur bereits am 4. Dezember 2025 angekündigt, wirksam wurde sie zum 1. Juli 2026 für die meisten Business-, Enterprise- und Frontline-Tarife. Die konkreten Erhöhungen: Business Basic stieg von 6 auf 7 Euro pro Nutzer und Monat (plus 16 Prozent), Business Standard von 12,50 auf 14 Euro, der Frontline-Tarif F1 um ein Drittel auf 3 Euro. Einzelne Spezialversionen ohne Microsoft Teams verteuerten sich laut Berichten sogar um bis zu 43 Prozent. Bei den Enterprise-Tarifen E3 und E5 liegen die neuen Preise bei 39 beziehungsweise 60 Euro. Offizielle Begründung von Microsoft: die Integration von Copilot-KI-Funktionen sowie kontinuierliche Produktverbesserungen.

Für ein Unternehmen mit, sagen wir, 40 Lizenzen im Business-Standard-Tarif bedeutet allein diese eine Preisanpassung rund 720 Euro zusätzliche Kosten pro Jahr – ohne dass ein einziger Mitarbeiter Copilot aktiv nutzen müsste, um dafür zu zahlen. Diese Kosten entstehen automatisch mit der Tarifverlängerung, nicht durch eine bewusste Kaufentscheidung für die neue Funktion.

Die Zahl, die die Preisbegründung infrage stellt

Der eigentlich aussagekräftige Fakt liegt nicht in der Preistabelle, sondern in Microsofts eigenen Nutzungszahlen. Rund drei Jahre nach dem Marktstart von Microsoft 365 Copilot zeigen aktuelle Daten eine auffällig schwache Akzeptanz: Von etwa 500 Millionen Microsoft-365-Kunden zahlen weniger als 4,5 Prozent aktiv für die kostenpflichtigen Copilot-Funktionen, nur rund 1 Prozent der Gesamtkundschaft nutzt sie wöchentlich. Die Preiserhöhung wird mit einer Funktion begründet, die die überwältigende Mehrheit der zahlenden Kunden nachweislich nicht nutzt.

Das ist kein Vorwurf an die technische Qualität von Copilot selbst – geringe Nutzungszahlen können viele Ursachen haben, von mangelnder Schulung bis zu fehlendem Anwendungsfall im jeweiligen Unternehmen. Der Punkt ist ein anderer: Eine pauschale Preiserhöhung für alle Kunden, begründet mit einer Funktion, die kaum jemand aktiv nutzt, verschiebt die Kosten einer optionalen Zusatzfunktion faktisch auf die gesamte Kundenbasis – unabhängig davon, ob der einzelne Kunde sie will oder nicht.

Was Wettbewerbsbehörden in drei Ländern bereits untersuchen

Diese Preisgestaltung ist inzwischen Gegenstand mehrerer behördlicher Verfahren – wenn auch bislang nicht in Deutschland oder auf EU-Ebene. Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde CMA eröffnete am 29. Juli 2026 ein Verfahren mit dem Vorwurf des „Bait-and-Switch“: Microsoft habe Copilot im Januar 2025 zunächst kostenneutral in bestehende Tarife integriert, Kunden aber bei der nächsten Vertragsverlängerung automatisch in teurere, Copilot-gebündelte Tarife überführt, ohne den günstigeren Tarif ohne KI klar sichtbar als Alternative anzubieten. Berichten zufolge könnte Microsoft im Fall einer Verurteilung bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes als Strafe riskieren.

Australiens Wettbewerbsbehörde ACCC ist bereits einen Schritt weiter und verklagt Microsoft seit Oktober 2025 vor einem Bundesgericht – mit dem Vorwurf, rund 2,7 Millionen australische Abonnenten getäuscht zu haben, indem die günstigere Classic-Tarifoption bis zum Beginn eines Kündigungsprozesses verborgen blieb. Italiens Wettbewerbsbehörde AGCM eröffnete am 26. Juni 2026 ein eigenes Verfahren gegen Microsoft Ireland Operations und Microsoft Italia, das zusätzlich zu Copilot auch die KI-Design-Anwendung Microsoft Designer einschließt, die in denselben Tarifänderungen mitgebündelt wurde.

Die Lücke für deutsche Kunden

Für Deutschland oder die EU insgesamt findet sich in der aktuellen Berichterstattung keine vergleichbare behördliche Untersuchung zu dieser Preisgestaltung. Das bedeutet nicht, dass die zugrunde liegende Praxis hierzulande anders abläuft – laut mehreren unabhängigen Berichten bleibt der günstigere Classic-Tarif ohne Copilot-Aufschlag auch für deutsche Kunden in der Praxis schwer erreichbar: Der Wechsel wird über die üblichen Online-Kanäle oft nicht klar angeboten, sondern muss aktiv gesucht oder direkt beim Support erfragt werden, mit unterschiedlichen Erfolgsberichten je nach Tarif und Kundentyp.

Für ein deutsches Unternehmen heißt das konkret: Es gibt derzeit keine Behörde, die im eigenen Rechtsraum aktiv prüft, ob man fair über Alternativen zum teureren Tarif informiert wurde – anders als ein britischer, australischer oder italienischer Kunde, der sich zumindest auf ein laufendes Verfahren berufen kann. Die einzige verlässliche Prüfinstanz ist in diesem Fall das eigene Unternehmen selbst.

Was daraus praktisch folgt

Diese Analyse ist kein Aufruf, Microsoft 365 zu verlassen – für die meisten Unternehmen bleibt es eine sinnvolle, tief integrierte Plattform. Es ist ein konkreter Anlass, die eigene Lizenzstruktur aktiv zu prüfen, statt die automatische Vertragsverlängerung unhinterfragt laufen zu lassen.

  • Im Microsoft-Admin-Center (oder über den Partner/Reseller, falls Lizenzen darüber laufen) konkret prüfen, welcher Tarif aktuell gebucht ist und ob dieser Copilot-Funktionen enthält, die tatsächlich nicht genutzt werden.
  • Aktiv nach dem Classic-Tarif ohne Copilot-Aufschlag fragen – beim eigenen Microsoft-Partner, im Admin-Center oder direkt beim Support –, statt davon auszugehen, dass er online sichtbar und einfach wählbar ist.
  • Die tatsächliche Copilot-Nutzung im eigenen Unternehmen über einen definierten Zeitraum messen (Microsoft stellt dafür Nutzungsberichte im Admin-Center bereit), bevor die nächste Vertragsverlängerung ansteht – als Grundlage für die Entscheidung, ob der Copilot-Aufpreis den eigenen Nutzen rechtfertigt.
  • Die Entwicklung der ausländischen Verfahren (CMA, ACCC, AGCM) im Blick behalten: Ein Urteil oder Vergleich in einem dieser Länder könnte Microsofts Praxis auch für deutsche Kunden verändern, auch ohne eigenes deutsches Verfahren.

Der eigentliche Wert dieser Analyse liegt nicht in einem pauschalen Urteil über Microsofts Preispolitik, sondern in einer sehr konkreten Handlungsaufforderung: Wo eine automatische Vertragsverlängerung eine Preiserhöhung mit einer kaum genutzten Funktion begründet und keine Behörde im eigenen Rechtsraum das für einen prüft, bleibt nur die eigene, aktive Prüfung im Admin-Center.

Häufige Fragen zur Microsoft-365-Copilot-Preiserhöhung

Sind alle Microsoft-365-Tarife von der Preiserhöhung betroffen?

Die Preis- und Paketänderungen betreffen die meisten Business-, Enterprise- und Frontline-Tarife ab dem 1. Juli 2026, in unterschiedlicher Höhe – von rund 12 Prozent bis zu 43 Prozent bei einzelnen Spezialversionen. Welcher konkrete Tarif betroffen ist und in welcher Höhe, sollte im eigenen Admin-Center oder beim Microsoft-Partner geprüft werden, da sich die Angaben je nach Region und Vertragsart unterscheiden können.

Können wir als deutsches Unternehmen auf einen Tarif ohne Copilot-Aufschlag wechseln?

Ein „Classic“-Tarif ohne Copilot existiert offiziell, ist aber laut mehreren unabhängigen Berichten auch für deutsche Kunden in der Praxis schwer zu finden und oft nicht klar als Alternative ausgewiesen. Es lohnt sich, aktiv beim Microsoft-Partner oder Support danach zu fragen, statt sich auf die Standard-Verlängerung zu verlassen.

Gibt es in Deutschland oder der EU eine Untersuchung wie in Großbritannien?

Nach aktuellem Stand nicht. Die britische CMA, Australiens ACCC und Italiens AGCM haben eigene Verfahren eröffnet beziehungsweise Klage erhoben; für Deutschland oder die EU insgesamt ist derzeit keine vergleichbare behördliche Untersuchung bekannt. Deutsche Kunden können sich also nicht auf ein laufendes Verfahren berufen, um Ansprüche geltend zu machen.

Lohnt sich Copilot trotzdem für unser Unternehmen?

Das lässt sich nur individuell beantworten und hängt vom konkreten Anwendungsfall ab. Microsofts eigene Zahlen zeigen aber, dass die überwiegende Mehrheit der Kunden die Funktion aktuell nicht aktiv nutzt – ein guter Anlass, die eigene tatsächliche Nutzung zu messen, bevor man den Aufpreis unhinterfragt weiterzahlt.

Wollt ihr eure Microsoft-365-Lizenzstruktur und tatsächliche KI-Nutzung durchleuchten lassen, bevor die nächste Vertragsverlängerung ansteht?