Die Erwartungslücke, die viele Projekte scheitern lässt
Gartner fand im April 2026: Nur 28 Prozent der KI-Anwendungsfälle in IT-Infrastruktur und -Betrieb erreichen tatsächlich Erfolg und erfüllen die ROI-Erwartungen, 20 Prozent scheitern komplett. Der MIT-GenAI-Divide-Bericht kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: 95 Prozent der Enterprise-KI-Pilotprojekte liefern keinen messbaren Business-Impact. Ein wiederkehrender Faktor hinter diesen Zahlen ist keine technische Unzulänglichkeit, sondern eine Erwartungslücke, die früh im Projekt entsteht – und die Projektleitende mit ihrer Kommunikation entweder verstärken oder schließen können.
Zwei Übersetzungsfehler, die beide schaden
Der erste Fehler ist Überversprechen: eine KI-Fähigkeit als sicher und uneingeschränkt darzustellen, ohne bekannte Grenzen zu nennen. Das schafft kurzfristig Begeisterung, aber sobald die Grenze sichtbar wird, kostet es mehr Vertrauen, als ehrliche Zurückhaltung von Anfang an gekostet hätte. Der zweite, seltener diskutierte Fehler ist Unterverkaufen: KI-Möglichkeiten pauschal kleinzureden, um Erwartungen von vornherein niedrig zu halten. Das verhindert sinnvolle Investitionen in tatsächlich vielversprechende Anwendungsfälle.
Was eine ehrliche Einordnung konkret enthält
Eine ehrliche Einordnung nennt nachgewiesene Stärken und bekannte Grenzen im selben Atemzug, nicht getrennt oder nur auf Nachfrage. Sie benennt Unsicherheit explizit dort, wo sie besteht, statt sie hinter selbstbewusster Sprache zu verstecken – ein Muster, das bereits im Modul zum kritischen Lesen von KI-Ergebnissen eine Rolle gespielt hat, hier aber auf die eigene Kommunikation gegenüber anderen angewendet wird.
Praxis-Teil: eine Formulierungs-Vorlage für Stakeholder-Updates
Eine einfache Vorlage hilft, diesen Balanceakt konsistent umzusetzen: „[Fähigkeit] funktioniert zuverlässig für [konkreter, bereits getesteter Anwendungsfall]. Für [verwandter, aber ungetesteter Anwendungsfall] liegt noch keine belastbare Erfahrung vor.“ Diese Formulierung verspricht nichts Ungetestetes, verschweigt aber auch keine echte Stärke – und lässt sich in Statusberichten, Kick-offs und Entscheidungsvorlagen gleichermaßen einsetzen.